Was wurde im Kohleausstiegsgesetz beschlossen?

Am 03.Juli 2020 hat die Bundesregierung endgültig den Ausstieg aus der Kohleverstromung beschlossen. Das letzte Kraftwerk soll 2038 vom Netz gehen. Somit ist Deutschland eines der wenigen Industrieländer weltweit, welches aus der Kernenergie und gleichzeitig aus der Kohleverstromung aussteigt. Wie immer gibt es dabei Vorteile, aber auch Nachteile. Erstmal bekommt ihr aber eine Kurzzusammenfassung vom deutschen Kohleausstieg.

Generell wurde beschlossen, dass alle Braun- und Steinkohlekraftwerke nacheinander abgeschaltet werden. Dadurch werden auch die schon genehmigten ETS-Zertifikate gelöscht („Recht zum Ausstoß einer bestimmten Menge CO2“). Alle betroffenen Personen im Kohlesektor verlieren natürlich ihren Arbeitsplatz, bekommen aber finanzielle Unterstützung vom Bund. Außerdem soll der Strompreis etwas geringer werden und es wird Anpassungen in der Gesetzgebung (KWKG) geben. Und wie sieht der Zeitplan für den Ausstieg konkret aus?

Braunkohle

  • Jahr 2022: 15 Gigawatt (GW)
  • Jahr 2030: nur noch 9 GW
  • Bis 2038: Reduzierung auf 0 GW

Steinkohle

  • 2020 bis 2026: jährliche Ausschreibungen.
    Die Betreiber, die freiwillig in ihrer Anlage keine Kohle mehr verfeuern, erhalten hierfür eine Entschädigung („Steinkohlezuschlag“).
  • Falls keine Gebote eingehen, wird eine Abschaltung angeordnet.
  • Ab 2027 geschieht die Abschaltung nur noch auf Anordnung. Eine Entschädigung ist dann nicht mehr vorgesehen.
  • Die Reihenfolge der Abschaltung ist nach Alter und getätigten Nachrüstmaßnahmen vorgesehen (= ältere und schlechtere Kraftwerke werden früher abgeschaltet)

Kritische Würdigung

Ja, wir wollen in Deutschland eine saubere Energieversorgung. Die Kohlekraftwerke werden jetzt abgeschaltet, um unser Ziel der Klimaneutralität zu erreichen. Das ist eine logische Konsequenz.
Wir wollen aber auch Tag und Nacht Strom verbrauchen – so viel wir wollen. Mit dem Abschalten der Kohlekraftwerke wird eine stabile Stromversorgungsquelle wegbrechen. Aktuell wird unser Strom nämlich zu knapp 20% aus Kohle erzeugt. Die erneuerbaren Energien müssen das entstehende Loch nun ausfüllen. Aber die sind davon abhängig, ob die Sonne scheint oder der Wind weht. Das wird spannend!

Wir müssen uns auch im Klaren sein, dass der Kohleausstieg einige Tausend Arbeitsplätze kosten wird. Diese Menschen sind spezialisiert für den Kohlesektor und werden vermutlich nur schwer neue Arbeit finden können. Viele werden vom Bund dabei finanziell unterstützt und werden früher in Rente geschickt – aber nur wer 58 oder älter ist.

Der endgültige Beschluss für einen spätesten Ausstieg bis 2038 aus der Kohle ist durch. Vielleicht wird der Ausstieg sogar schneller gehen. Es ist ein guter und notwendiger Schritt zum Erreichen der Klimaziele und eine Abkehr von fossilen Energien. Wir müssen nicht mehr ganze Gebiete zerfressen, den Hambacher Forst nicht zerstören und Menschen nicht umsiedeln, um Kohle zu fördern. Leider verlieren dadurch viele Menschen ihre Arbeit und stehen vor dem Nichts.

Was haltet ihr von der ganzen Geschichte? Wo seht ihr Chancen, aber auch Probleme?